Bei den Lakota besaßen alle, ob sie stark oder schwach waren, die gleichen
menschlichen Rechte. Jeder war verpflichtet, das Recht des anderen auf
Kleidung und Nahrung zu respektieren und dafür zu sorgen,
dass keiner benachteiligt war. Das war so selbstverständlich, wie der
Sonnenschein, die reine Luft und der Regen allen gemeinsam gehörten.
Alles, was wir zum Leben brauchten, gab uns die Natur,
und sie war unerschöpflich; Dinge zu horten und anzuhäufen, wäre sinnlos gewesen.
Der Natur allein verdankten wir unsere Kraft und Stärke, und vor dem
Einfluss der Weißen hätte kein Lakota daran gedacht, über andere zu herrschen
und dadurch Macht zu gewinnen. Keiner war dem anderen untertan,
aber jeder versuchte sich selbst zu beherrschen – Mütter, Väter, Schwestern,
Brüder, alle ordneten sich freiwillig dem Wohl der Gemeinschaft unter.
Und weil wir dieses Gesetz anerkannten, blieb keiner von uns je schutzlos
oder ohne Hilfe. Aus diesem Grund gab es in der Gemeinschaft der Lakota
weder Hungernde noch Übersatte, weder Kriecher noch Hochmütige,
keine Gefängnisse, keine Richter, keine Armenhäuser, keine Bordelle und
keine Waisenanstalten.
Luther Standing Bear
Als Luther Standing Bear 1931 nach jahrelanger Abwesenheit in
die Rosebud Reservation zurückkehrte, erlebte er einen bitteren Kontrast
zu den Erfahrungen seiner Kinderzeit.
"Die Vernichtung meines Volkes geht weiter", schreibt er. "Jede Eigeninitiative
ist verlorengegangen, Junge und Alte sind fügsam bis zur Unterwürfigkeit geworden.
Das System hat sie zu Schatten ihrer selbst gemacht"